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Westdeutsche Allgemeine Zeitung am 23.04.01 Asyl: Wenn aus Schicksalen Fälle werden 45 Minuten lang Beamten am Schreibtisch bei der Arbeit zusehen - das ist kein Witz, sondern eine eindrucksvolle Reportage von Hansjürgen Hilgert. "Die Entscheider" (heute 20.15, 3sat; am Mittwoch, 22.15, WDR Fernsehen) heißt dieser karge Film aus der renommierten WDR-Reihe "Menschen hautnah". Hilgert ist vielleicht das größte Kunststück schon vor Beginn der Dreharbeiten gelungen, indem er nach einem Jahr Geduldsspiel vom Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge die Genehmigung erhielt, die eigentlich nicht öffentlichen Anhörungen zu filmen. Die Asylbewerber selbst durften nicht im Bild gezeigt werden; man kann sie nur hören. So lässt Hilgert die Kamera beinahe ausschließlich auf Gesicht und Oberkörper von fünf Frauen und Männern der Bundesamt-Außenstelle Düsseldorf ruhen (und einer ebensolchen Zahl von Dolmetschern), die über Aufenthalt oder Abschiebung der vor ihnen sitzenden Asylbewerber entscheiden. Es ist eine sehr konzentrierte Perspektive, bei der das Bemühen des Bürokraten-Quintetts - übrigens drei Angestellte und nur zwei Beamte - um einen möglichst routinierten und teilnahmslosen Eindruck bei der Befragung der Flüchtlinge zum Scheitern verurteilt ist. Verräterisch zuckt der Mund, wenn der Asylbewerber weder Papiere vorlegen noch Angaben über Geburtsdatum und -ort machen kann. Und dann ist da noch das Diktaphon, das den deutschen Amtspersonen Halt gibt während all der Berichte mitten aus dem Elend der Welt. Mit diesem Werkzeug werden die Flüchtlingsgeschichten schnell und gründlich in eine bürokratisch-praktikable Form gegossen. "Es sind Leute, die ihre Arbeit tun, im guten wie im schlechten deutschen Sinne", sagt "Civis"-Preisträger Hansjürgen Hilgert. Das Bundesamt sei "eben ein Apparat, der ganz schnell aus menschlichen Schicksalen einen Fall macht". Im Film verzichtet er freilich ganz auf einen Kommentar oder auf Hintergrund-Informationen, auch die geführten Interviews mit den fünf Entscheidern werden nicht gezeigt, "um die spannungsreichen Beobachtungen nicht zu unterbrechen", sagt Hilgert. Die Schilderungen der Flüchtlinge ließen die Bürokraten durchaus nicht kalt, hat Hilgert beobachtet, dennoch habe selbst das vom Bundesamt für diese Reportage ausgewählte Quintett aus "ziemlich scharfen Typen" bestanden. Thomas Gehringer |

Hilgert & Witsch KG
Film & Multimedia
Buch-Regie-Schnitt-Produktion
19.01.09
Sisyphus,
the filmmaker